Kurzer Erlebnisbericht zur Querdenken-Demo am 07.11. in Leipzig

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Wie so viele hat es auch den Narren am 07.11. nach Leipzig gezogen, um unter der Organisation der Querdenker für unsere Freiheit und gegen die Coronamaßnahmen zu demonstrieren. Bei kaiserlichem Wetter versammelten sich in der geschichtsträchtigen Stadt zehntausende Menschen um ihrem Unmut über die Grundrechtseinschnitte im Zuge der „Coronapandemie“ Gehör zu verschaffen. Die Teilnehmerschaft war ein Querschnitt durch die Gesellschaft, und der Kreativität war in Sachen Plakaten und Verkleidungen wieder einmal keine Grenzen gesetzt. Man hielt sich auf dem Platz auf, unterhielt sich und knüpfte Kontakte, ließ die Eindrücke auf sich wirken, und ließ sich nebenbei vom Programm auf der Bühne berieseln. Nach einigen Reden und Musikbeiträgen, über die man zu diskutieren vermag (ich bin beispielsweise skeptisch ob ein 12-jähriger auf der Bühne „instrumentalisiert“ werden muss), und nach mehrmaligem Hinweisen von Querdenken-Rechtsanwalt Markus Haintz dass die Abstände eingehalten werden müssen, erfolgte gegen nachmittag dann der Hinweis dass die Veranstaltung auf Anweisung der Behörden beendet werden müsse, weil Auflagen, unter anderem das Tragen von Masken, von dem Großteil der Teilnehmer nicht eingehalten wurden.

Nach einigen Unmutsbekundungen aus den Reihen der Teilnehmer machte es mir, relativ zentral auf dem Veranstaltungsplatz stehend, den Anschein dass sich die Menge nach und nach auflöst und die Teilnehmer so langsam den Heimweg antreten. Wäre dies der Fall gewesen, wäre das sehr deprimierend gewesen, und man hätte den Tag durchaus als Rückschlag für die Protestbewegung verbuchen müssen.
Was aber geschah vermittelte dem Nostalgiker den Hauch von Revolution an diesem Ort der Montagsdemos von 1989. Die Menge dachte garnicht daran sich den Verboten zu beugen, und setzte sich schließlich in der Abenddämmerung friedlich, aber bestimmt in Bewegung um für Frieden und Freiheit zu demonstrieren. In der aufkommenden Dunkelheit spazierten freie Menschen durch die Gassen, verschiedenste Fahnen wehten, es wurde gesungen und skandiert, und Kerzen säumten den Weg. Die Polizei verhielt sich größtenteils vorbildlich, ausgenommen einiger weniger Geschehnisse am Rande, bei denen mit dubiosen Mitteln und Personen, scheinbar dringend benötigte Bilder für die Medien produziert werden mussten. Von diesen erfuhr der Großteil der Teilnehmer erst im Nachhinein durch Berichte und Videos, so auch ich.
Nach einem zwei- bis dreistündigem Gang durch die Gassen in denen schon 1989 die „friedliche Revolution“ begann, gelangten wohl gegen 20 Uhr die letzten wieder auf den Augustusplatz, den Ort der Kundgebung, und man machte sich in positiver Stimmung so langsam auf den Heimweg.

Mein Fazit fällt folgendermaßen aus: Ich bin der Ansicht dass dieser Tag ein Erfolg für den Widerstand war. Die Teilnehmer haben sich Kraft für die nächsten Wochen geholt, indem sie „freudige Stunden“ unter anderen „Querdenkern“ verbracht haben. Gleichzeitig ist der Tag jedoch erfreulicherweise, im Gegensatz zum 29.08. in Berlin, nicht allein unter dem Wort „Happening“ oder „Friedensfest“ mit Eventcharakter zu verbuchen, denn der rebellische Geist wahren Widerstands wagte sich doch zumindest schon einmal etwas aus der Deckung, indem man sich das Recht auf Demonstrieren einfach nahm, und singend und skandierend durch die Straßen zog. Unter diesem Gesichtspunkt war meines Erachtens der Abbruch der offiziellen Veranstaltung seitens der Behörden sogar ein Segen und das Beste was an diesem Tag passieren konnte. Der Tag hat gezeigt dass in diesem breit aufgestellten Widerstand so vieler doch grundverschiedener Richtungen zumindest Potenzial steckt. Dieses Potenzial zu erkennen, es rauszukitzeln und zu nutzen, liegt an jedem einzelnen von uns.
Alles in allem ein guter Tag für alle Widerständler…

„Die Außenseiterrolle ist ein Schlüssel für die Schatzkammer unermesslicher Kräfte, die – geweckt und geschürt – Energien freisetzt, die helfen, Berge zu versetzen.“
– Sepp Herberger –